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Zentrum für Geisteswissenschaft Straßburg

Franz Bardon über die Wahrheit


Anmerkung:

Zum Aspekt der Wahrheit  gehört ein ganz wichtiger Charakterzug dazu, ohne dem einem auch, früher oder später, die kleineren Wahrheiten vorenthalten bleiben. Nämlich Toleranz! Dieser Charakterzug ist nicht nur einer der wichtigsten für die persönliche Entwicklung, für eine wertfreie Beurteilung, sondern auch ein Grundstein für die „Freiheit“ im gesellschaftlichen Sinne. Ohne Toleranz im Charakter des Volkes, gibt es keine Freiheit!


Straßburg am 06.01.2013

- S.A.



Wahrheit

Verlassen wir nun den Mikrokosmos, also den Menschen mit seinem irdischen, astralen und mentalen Körper und wenden uns anderen Problemen zu, deren Lösung dem angehenden Eingeweihten ebenfalls bevorsteht. Vor allen Dingen ist es das Problem der Wahrheit. Zahlreiche Philosophen beschäftigten sich schon vielfach mit diesem Problem, und auch uns fällt diese Aufgabe zu.  

 Wir nehmen hier nur solche Wahrheiten vor, über deren Kenntnis wir genau im Bilde sein müssen. Die Wahrheit hängt von der Erkenntnis eines jeden einzelnen ab. Und da wir nicht alle ein - und dieselbe Erkenntnis haben, so können wir das Problem der Wahrheit auch nicht verallgemeinern. Deswegen hat jeder einzelne von seinem Standpunkt aus je nach Reife und Erkenntnis, falls er es ehrlich meint, seine eigene Wahrheit. Nur derjenige, der die absoluten Gesetze des Makro - und Mikrokosmos kennt und beherrscht, kann von einer absoluten Wahrheit sprechen. Gewisse Aspekte der absoluten Wahrheit wird sicherlich jedermann anerkennen. Niemand wird darüber im Zweifel sein, daß es ein Leben, einen Willen, ein Gedächtnis und einen Verstand gibt und wird davon absehen, diese Tatsachen abzustreiten. Kein wahrer Eingeweihter wird jemandem, der nicht reif genug ist, seine Wahrheit irgendwie aufdrängen wollen. Die betreffende Person würde sie nur wiederum von ihrem eigenen Standpunkt aus betrachten. Deswegen wäre es zwecklos, mit Uneingeweihten über höhere Wahrheiten zu sprechen, außer wenn es sich um Menschen handelt, die höheren Wahrheiten zustreben, also für diese zu reifen beginnen. Alles andere wäre Profanation und vom magischen Standpunkt aus nicht richtig. Jeder gedenke hierbei der Worte des großen Meisters des Christentums: "Werfet nicht Perlen vor die Säue".

 Zur Wahrheit gehört auch die Fähigkeit, Wissen und Weisheit voneinander richtig zu unterscheiden. Das Wissen ist auf allen Gebieten des menschlichen Daseins von der Reife, Aufnahmefähigkeit und Intelligenz des Verstandes und Gedächtnisses abhängig, ohne Rücksicht darauf, ob wir unser Wissen durch Lesen, Übertragung oder sonstige Erfahrungen bereichern konnten.

Zwischen Wissen und Weisheit besteht ein himmelweiter Unterschied, und es ist viel leichter, Wissen als Weisheit zu erlangen. Weisheit hängt nicht im geringsten vom Wissen ab, obwohl beide bis zu einem gewissen Grade identisch sind. Die Quelle der Weisheit liegt in Gott, also im Ursachenprinzip (im Akasha), auf allen Ebenen der grobstofflichen, astralen und mentalen Welt. Weisheit hängt daher nicht vom Verstand und Gedächtnis ab, sondern von der Reife, Reinheit und Vollkommenheit der Persönlichkeit jedes einzelnen. Man könnte Weisheit auch als einen Entwicklungszustand des Ichs betrachten. Infolgedessen werden uns Erkenntnisse nicht nur durch den Verstand, sondern und das insbesondere - durch Intuition oder Inspiration eingegeben. Den Weisheitsgrad bestimmt also die Entwicklungsstufe des Menschen. Damit ist aber nicht gesagt, daß wir das Wissen vernachlässigen sollen; im Gegenteil, Wissen und Weisheit müssen Hand in Hand gehen. Deshalb wird der Eingeweihte trachten, sowohl im Wissen als auch in der Weisheit hochzukommen, denn keines von beiden darf in der Entwicklung nachhinken.

 Halten Wissen und Weisheit in der Entwicklung gleichen Schritt, so ist dem Eingeweihten die Möglichkeit gegeben, sämtliche Gesetze des Mikro - und Makrokosmos nicht nur vom Standpunkt der Weisheit aus, sondern auch von der intellektuellen Seite, also doppelpolig, zu erfassen, zu erkennen und für seine Entfaltung zu gebrauchen.

 Eines von den vielen Gesetzen, den ersten Hauptschlüssel, das Geheimnis des Tetragrammatons oder des vierpoligen Magneten, haben wir schon in allen Ebenen kennengelernt. Da es ein Universalschlüssel ist, kann er zur Lösung aller Probleme, aller Gesetze, für jede Wahrheit, kurz, für alles angewendet werden unter der Voraussetzung, daß ihn der Eingeweihte richtig zu gebrauchen versteht. Im Laufe der Zeit, während sich seine Entwicklung entfaltet und er sich in der hermetischen Wissenschaft vervollkommnet, wird er noch verschiedene Aspekte dieses Schlüssels kennenlernen und sie als

unwandelbare Gesetze anerkennen müssen. Er wird nicht im Dunkeln und Unsicheren herumtappen, sondern ein Licht in der Hand halten, mit dem er jede Unkenntnis zu durchbrechen vermag.


Diese kurze Schilderung möge dem Einzuweihenden genügen, um zu wissen, wie er sich zu dem Problem der Wahrheit stellen muß.


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Religion


…Jede Religionswahrheit ist relativ, und das Begreifen derselben hängt von der Reife des einzelnen ab. Deshalb lässt der Eingeweihte in dieser Hinsicht jedem sein Recht, versucht auch nicht, ihn von seiner Wahrheit abzubringen, ihn zu kritisieren oder gar zu verurteilen. Im Inneren der Seele kann er Fanatiker oder Atheisten höchstens bedauern, ohne es irgendwie äußerlich zu zeigen. Halte jeder an dem fest, woran er glaubt und was ihn glücklich und zufrieden macht. Würde sich jedermann diesen Grundsatz zu eigen machen, gäbe es weder Hass noch Religionszwist. Es läge dann wirklich kein Grund zu Meinungsverschiedenheiten vor, und alle Geistesrichtungen könnten nebeneinander glücklich bestehen….


Quelle: Franz Bardon - Der Weg zum wahren Adepten





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- Rudolf Steiner über die Wahrheit