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Zentrum für Geisteswissenschaft Straßburg

Jossé über Runen


Bisher wurde von den Runen immer nur als Schriftzeichen gesprochen, kommen doch alle Ausdrücke, die sich auf das Lesen und Schreiben beziehen, vom Runengebrauch her. Unser Buchstabe ist der mit Runen versehene Buchenstab, der dann geworfen wurde. Dann wurden diese Stäbchen aufgelesen, daher unser lesen. Von ritzen kam die altgermanische Bezeichnung writan, die im Deutschen leider durch das lateinische scribere ersetzt wurde. Aber im Englischen bedeutet heute noch to write = schreiben. Auch im Deutschen ist dieser Wortstamm noch erhalten in reißen (Reißbrett, Grundriß, Aufriß). Auch das englische to read = lesen geht auf den Runenkult zurück und bedeutete ursprünglich raten.

Aber die Runen sind mehr als nur reine Schriftzeichen, wie die grichischen oder lateinischen Buchstaben. Der Schriftgebrauch der Runen ist eigentlich nur eine beiläufige Verwendungsart. Rune hat etwas mit raunen zu tun! Das ist ein geheimnisvolles, eindringliches, leises Reden. Das germanische runa bedeutete nicht nur das Runenzeichen, sondern auch: Geheimnis, geheime Rede, geheime Wissenschaft, Zauberlied, Beratung….

…Die Kirche hat nach der Chritianisierung Deutschlands das Wort Rune absichtlich gemieden, um die Erinnerungen an die heidnischen Kulthandlungen auszulöschen, so daß es im Mittelalter verschollen ist….


.. Zu Beginn der Runenforschung in Deutschland im 18. Jahrhundert wurde dieses Wort aus den skandinavischen Sprachen neu entlehnt in der dort gebräuchlichen Form. Hätte dieses Wort jedoch die Lautverschiebung mitgemacht, so müßte es heute „Raune“ heißen (aus hus wurde Haus, aus duma Daumen usw.). Diese Form hat auch das nicht untergegangene Alraune, ferner entspricht dem mundartlichen nasalen a ein hochdeutsches au.

Für diese Form trete ich nicht nur wegen ihrer sprachlichen Richtigkeit ein, sondern auch, weil die Lautschwingung dieses Wortes Raune ganz andere Kräfte auslöst wie „Rune“. Wer beide Worte gesprochen oder gesungen auf sich einwirken läßt, spürt deutlich diesen Unterschied ohne weitere Erklärungen.

Darum soll künftig nur noch von Raunen gesprochen werden, auch um den Leser jedesmal daran zu erinnern, daß er es hier mit einer magischen Kraft erstn Ranges zu tun hat. Die Raunenzeichen sind Symbole der gewaltigen Kräfte, die sich im Weltall durchdringen, Heil und Unheil bringen…

..Raunen sind im weiten Weltall. Die alte Astrologie war sich dessen bewußt, sie war ein „Runenastrologie“. Heute ist sie vielfach nur noch eine „Ruinenastrologie“, die auf den Trümmern der Vorzeit ihre Aussagen zusammenstoppelt.

Raunen und Planetenkräfte sind verwandt. Raunen schimmern Spektrum des Lichts. Raunen sind jedem Menschen in die Hände eingegraben, dem Art und Geschick offenbarend, der sie richtig zu lesen versteht. Raunen sind verborgen in den Zügen der Handschrift. Nach Raunengesetzen ist die stoffliche Welt geordnet (Runochymie), vor allem das periodische System der Elemente. Raunen schwingen in den Tönen der Musik. Raunen reden aus den alten Wappen und Hausmarken der bäuerlichen, bürgerlichen und adeligen Geschlechter. Raunen sind an die Märchen unseres Volkes gebunden, viel verratend dem, der sie zu lösen und lesen weiß. Raunenkräfte stecken in Sippen- und Ortsnamen. Raunenkräfte sind wirksam in Tieren und Pflanzen, in Bäumen und Kräutern. Raunen wirken in allen Teilen unseres Leibes, im Blut, den Nerven und Drüsen, selbst in den kleinsten Chromosomen. Raunen sind im Innern der kleinsten Atomwelten. Raunen bestimmen den Rhythmus und Wechsel von Hell und Dunkel, Tag und Nacht, Sommer und Winter, Leben und Tod… Voll entfaltet sich die magische Kraft der Raunen, wenn wir durch unsern Leib ihre Gestalt nachbilden (Runogymnastik), wenn wir uns in Gemeinschaft in Raunenformen bewegen (Runochoreutik) oder die magischen Worte hinaurufen als kraftvolle Schwingung in All (Raunenjodler)…


Quelle: Roland Dionys Josse, Die Tala der Raunen (Runo-astrologische Kabbalistik)