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Zentrum für Geisteswissenschaft Straßburg

Franz Bardon über Phantome


Phantome sind belebte Vorstellungsformen von Verstorbenen. Um vielen Irrtümern vorzubeugen, widme ich diesem Thema besondere Aufmerksamkeit, damit jedermann die Spreu vom Weizen scheiden kann. Legt ein Mensch seine fleischliche Hülle ab, befindet er sich sofort im vierten Aggregatzustand, was gewöhnlich als Jenseits bezeichnet wird. Ohne Vermittlungsstoff ist es nicht möglich, daß sich ein Wesen auf unserer dreidimensionalen Sphäre betätigt, ebenso wie ein Fisch ohne Wasser nicht leben kann. Dasselbe gilt von Wesen, die bereits ins Jenseits gegangen sind. Durch Vorstellungen und Erinnerungen an den Toten, sei es Lob, Verehrung, Trauer u. dgl., werden imaginäre Bilderformen der Toten geschaffen und belebt, die, oftmals wiederholt, eine ziemlich lange Lebensdauer haben. Diese Bilder, von Lebenden erzeugt, nennen wir Phantome. Diese Art von Phantomen ist es, die sich in den zahlreichsten Fällen den sogenannten Spiritisten, Geisterbeschwörern usw. kundtut. Auch die Spuk - und Foppgeister sind nichts anderes als Phantome, die sich durch Aufmerksamkeit der Hinterbliebenen, wie es bei den Schemen der Fall ist, nähren, verdichten und erhalten. Dies läßt sich leicht dadurch feststellen, wenn an verschiedenen Orten zu gleicher Minute ein Wesen zitiert

wird, das sich an allen Seiten zugleich durch sogenannte Medien kundtut, was nichts anderes ist, als daß sich ein Phantom des betreffenden Toten äußert, denn Phantome können zu Hunderten geschaffen werden. Es ist sehr bedauerlich, daß diese Phantome von spiritistischen Medien für wahre Verstorbene gehalten werden. Sehr viel Unfug, Trug und Selbstbetrug wird gerade im spiritistischen Wissen getrieben. Man kann beobachten,

daß durch eines der Medien ein großer Führer oder Feldherr, durch ein zweites ein Künstler, dort ein Heiliger, an anderer Stelle wiederum ein Pharao und sogleich wieder ein Engel mit den Medien verkehrt. Es ist daher nicht verwunderlich, daß gerade dieses Wissensgebiet infolge des enormen Selbstbetruges die meisten Feinde und Spötter aufzuweisen hat. Daß z. B. so ein Phantom einen derart starken Selbsterhaltungstrieb hat

und direkt zum Vampir des Mediums oder des ganzen Zirkels heranwächst und auch der unmittelbaren Umgebung zum Verhängnis wird, ist begreiflich.


Damit ist nicht gesagt, daß ein wahrer Magier, der den vierten Aggregatzustand, also das Akashaprinzip, beherrscht, nicht eine Verbindung mit einem Verstorbenen oder mit einer unverkörperten Intelligenz anzuknüpfen imstande wäre. Die Praxis habe ich ja schon im medialen Schreiben angeführt. Ein Magier ist außerdem imstande, mit Hilfe der Imagination ein Gehäuse, eine Form zu schaffen, dieselbe in den vierten

Aggregatzustand zu versetzen und das gewünschte wahre Wesen zu bitten oder es nach Belieben zu zwingen, in die Form einzugehen und sich nach außen hin zu manifestieren. Diese Praxis gehört in das Gebiet der Nekromantie oder Beschwörungsmagie und hat mit dem allgemein bekannten Spiritismus nichts zu tun. Der wahre Magier wird diese Praxis nur im äußersten Fall gebrauchen und ein Wesen aus seiner Sphäre nicht zitieren, denn das, was ihm ein Wesen aus dem vierten Aggregatzustande auf der materiellen oder astralen Welt zu sagen hat oder vollbringen kann, schafft der Magier durch seine Reife selbst.



Franz Bardon - Der Weg zum wahren Adepten