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Zentrum für Geisteswissenschaft Straßburg

Die sieben Deutungsaspekte


Die sieben  Deutungsaspekte / R.D.Jossé, Grundzüge der Kabbalistik


Wie schon im ersten Abschnitt angedeutet wurde, beschäftigt sich die Kabbalistik mit den Zusammenhängen und Zuständen im Weltall und faßt diese in  Symbole verschiedenster Art. Um diese Symbole wieder zu entschlüsseln, bedarf  es der Kenntnis der einzelnen Betrachtungsperspektiven oder -aspekten. Wichtig ist, daß für die kabbalistische Schau jedes Ding und jede Erscheinung  ein Symbol ist, das ganz bestimmte, individuelle Werte der sieben Urprinzipien oder deren Kombinationen in sich trägt. Die Kabbalistik bediente sich solcher Symbole als Wert- oder ldeenträger, um ihr geheimes Wissen zu bewahren, festzuhalten und weiterzugeben.


Eine Unmenge kabbalistisch verdeckten Wissens birgt zum Beispiel die berühmte Cheopspyramide in ihren Maßverhältnissen, die nicht nur erstaunlich  genaue Zahlwerte enthält (wie z. B. die Zahl Pi auf einige Stellen exakt  angegeben), sondern auch klare Angaben über den Verlauf der geschichtlichen Zukunft. Wie ein und dasselbe Ding die verschiedensten Sinne ansprechen kann (z. B. eine Kirsche das Gesicht, den Geruch, den Geschmack,  den Tastsinn etc.), trägt es  auch sieben  verschiedene Wert- und Sinngehalte, die den sog. kabbalistischen Aspekten entsprechen. Die Kenntnis dieser Deutungsaspekte ist der Schlüssel zum Verständnis kabbalistischen  Wissens  überhaupt und die Voraussetzung zur Enträtselung der Wesensgehalte  aller dinglichen Symbole.


Diese sieben kabbalistischen  Kategorien,  deren  Anordnung  selbst kabbalistisch ist, sind:


1) Die  exoterische oder profane Betrachtungsweise.  Die reale Bildhaftigkeit der Dinge, wie wir  sie sehen als Form.  Aus dieser Perspektive entstand die  lautliche (wie in China)  und heraldische Bilderschrift (Ideogramme).


2) Die physikalische oder astrologische Betrachtungsweise. Der dynamische Wert als Kraft  (und Farbe). Einwirkung und  Aktivierung des Tastsinns. Daraus entstanden die astrologisch- astronomischen Symbole und  Wertzeichen Gehalte.


3) Die chemische oder materielle Betrachtungsweise. Der statische Wert als  Stoff und Zustandsart.  Funktion des  Geschmacksinns.  Grundlage der alten chemischen und  alchymistischen Symbole vor Einführung der jetzt gebräuchlichen Buchstabenabkürzungen  wie 0,  Hg, Fe, Pt usw.


4) Die mathematische oder algebraische Betrachtungsweise. Der quantitative  Wert als Zahl oder  geometrische Figur. Funktion des ordnenden  Verstandes.  Grundlage der Zahlzeichen und mathematischen  Symbole wie  1, 5, XII, +, :, X.


5) Die akustische oder musikalische Betrachtungsweise. Der  Klangwert  der Dinge  als Laut oder Ton. Funktion des Gehörs.  —   Ausgangspunkt  der  lautgetreuen Buchstabenschriften und der Noten.


6) Die erotische oder phallolatristische Betrachtungsweise. Der grobsinnliche Wert als Gefühl und  Geruch. Alle irrationalen Eindrücke gehören ebenfalls in diese Kategorie. Grundlage der Verfallssymbolik mittelalterlicher Geheimorden mit geringem Anteil an kabbalistischem Wissen.


7) Die  esoterische  oder sakrale Perspektive. Der  mythologische Wert als Idee und SymboI für das Letzte. Fundament der objektiven Wahrheit in der Kabbalistik und Theosophie.


Moderne  „Symbolforscher" erwähnen immer nur die esoterische Betrachtungsweise, die sie dann meist noch mit der physikalisch-astrologischen verwechseln  bzw.  vermengen.  Wahre,  d. h. erkenntnisschaffende  Kabbalistik kann aber nur dann getrieben werden, wenn alle sieben Lösungsmöglichkeiten der Symbole berücksichtigt und angewendet werden. ….